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Siedlung Burgunder, Laubenhaus

Baujahr: 2008-2011
Bauträgerschaft: wok Burgunder AG
Entwurf und Realisierung: Arge reinhardpartner / Werkgruppe agw,  Bern
Landschaftsplanung: David Bosshard
Energiestandard: Minergie-P
Geschossfläche GF SIA 416: 6’014m2 AZ 1.3
Hauptnutzfläche HNF: 4’258m2
Verhältnis HNF/GF (ohne UG): 81.4%
Energiebezugsfläche: 5’500m2
Gebäudehüllzahl: 0.92
Gebäudevolumen SIA 416: 18’900m3
Kosten BKP 2: CHF 10.6 Mio, 560.-/ m3(SIA 416)
Kosten BKP 1–9: Fr. 11.75 Mio, 622.-/ m3(SIA 416)
Architektur / Bauleitung: Lorenz Frauchiger
Stefan Gysel
Martin Zulauf
Reinhard Briner
Urs Mataré
Architekturfotografie: Alexander Gempeler

 

Gemeinschaftswerk

Zwei Baurechtsgeber, zwei Bauträgerschaften und drei Architekturfirmen haben die Siedlung Burgunder gemeinsam geplant und realisiert. Als Klammer diente die übergeordnete Zielsetzung der Nachhaltigkeit. Die Planung wurde erschwert, weil die Hälfte der Grundstücke erst zu Verfügung stand, nachdem das Baugesuch für die Häuser der npg AG bereits bewilligt war.

 

Partizipatives Mietmodell

In der Siedlung Burgunder werden die Wohnungen nach dem Mietmodell der Stiftung Wohnqualität vermietet. Alle MieterInnen sind in Hausvereinen organisiert, der für die Hausordnung, die kleine Hauswartschaft und die Umgebungspflege zuständig ist. Die MieterInnen haben ein Vorbezugsrecht für freiwerdende Wohnungen und ein Mitspracherecht bei Neuvermietungen. Bei der Erstvermietung konnten sie den Innenausbau betreffend Oberflächen, Küche und Zimmereinteilung mitbestimmen.

 

Die „erste autofreie“

Die über 80 Mietparteien der Siedlung Burgunder haben sich im Mietvertrag dazu verpflichtet, in ihrem Wohnumfeld auf den Gebrauch eines Autos zu verzichten. Kontrolle und Sanktionen sind in einem Vertrag mit der Stadt Bern geregelt. Damit ist sichergestellt, dass die Siedlung Burgunder keinen Parkplatzbedarf auslöst und deshalb die Erstellungspflicht wegfällt.

Beinahe die Hälfte der Haushaltungen in Bern besitzt kein Auto; es ist also nicht erstaunlich, dass „autofrei“ bei der Vermietung kein Hindernis darstellte – im Gegenteil. Entscheidend dazu hat beigetragen, dass die Siedlung direkt neben dem S Bahnhof Bümpliz Süd liegt.

Der Wegfall einer Einstellhalle eröffnet die Möglichkeit, die vollwertig isolierten UG Flächen sinnvoll zu nutzen.

 

Die Kita im Zentrum

Die Siedlung grenzt im Norden und Westen an ein traditionelles kleinmassstäbliches Wohnquartier, wird südöstlich von der Bahnlinie und nordöstlich von einem Fabrikareal begrenzt. Die Neubauten vermitteln massstäblich die Quartierteile und bilden eine gemeinsame Hofbebauung. Das alte Rieghaus blieb im Zentrum als Teil der Kulturgeschichte des Quartiers erhalten und wird als Gemeinschaftsraum und Kinderkrippe genutzt.

Die Planung der Umgebung erfolgte übergeordnet durch David Bosshard Bern. Dabei wurde darauf geachtet, dass für die Eigeninitiative der BewohnerInnen ein möglichst grosser Spielraum verbleibt.

 

Quartierintegration

Der 80 Meter lange Baukörper des Laubenhauses bildet gegen Nordosten das Rückgrat der Siedlung Burgunder. Die Konzentration der Nutzung in einem Volumen ergibt trotz beträchtlicher Dichte grosszügig zusammenhängende Aussenräume. Dabei dient der Siedlungsweg als - auch stadträumlich - logische Fortsetzung der Fusswegverbindung vom Zentrum Bümpliz zur katholischen Kirche und neu zum Bahnhof Bümpliz Süd. Auf diese Weise integriert sich die Siedlung Burgunder selbstverständlich in die gegebene Quartierstruktur.

 

Innovative Typologie

Mit 17 Metern ist die Gebäudetiefe fast so gross, wie bei den Bümplizer Hochhäusern aus den 70er Jahren. Gleich wie beim Fellergut erschliesst auch beim Laubenhaus eine Rue Interieure die Obergeschosse. Diese Typologie ermöglicht eine grosszügige räumliche Auslegung des einzigen Treppenhauses im Gebäudekopf. Hier angrenzend sind 10 Geschosswohnungen angeordnet. Vom inneren Erschliessungskorridor aus zugänglich sind je acht 3-Zimmerwohnungen im 1.OG, acht 4-Zimmer-Attika-Duplexwohnungen und fünf 2-Zimmerwohnungen. Acht Wohnungen im Erdgeschoss sind, ähnlich wie bei einem Reihenhaus, via Vorgarten direkt von aussen zugänglich.

 

Nutzbare Flexibilität

Das Gebäude ist durch Schotten im Abstand von 6.3 m unterteilt. In der Mitte jedes Segments liegt eine Treppe oder eine auch nachträglich ausbaubare Treppenöffnung, mit denen die Wohnungen vertikal zusammengeschlossen werden können. Auf diese Weise wurden in Absprache mit den NutzerInnen sechs UG - Ateliers intern mit den Gartenwohnungen im EG verbunden, so dass eine familientaugliche Nutzungseinheit entstand.

 

Quartier – Haus – Wohnung

Gemeinsam mit dem dritten Gebäude (der WOK Burgunder AG) bilden die Stadthäuserzeilen den gemeinsamen Zugangs- und Aufenthaltshof. Das bestehende Hofhaus im Zentrum der Siedlung zeugt von der lebendigen Kulturgeschichte des Quartiers und wird im Erdgeschoss als gemeinschaftliche Zone sowie Kinderkrippe neu genutzt. Das Wohnungsangebot in den beiden npg-Häusern mit 1½, 2½, 3½, 4½ und 5½-Zimmern eignet sich ebenso für Familien wie auch für andere Formen gemeinschaftlichen und altersgerechten Wohnens.

 

Minergie-P-ECO und autofrei

Die Zielsetzungen einer nachhaltigen Entwicklung sind konsequent auf allen Ebenen – also gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch – umgesetzt: Die beiden Häuser sind nach dem Standard Minergie-P-ECO gebaut und zertifiziert. Einfache Bauvolumen, klare Typologie und Raumqualität, logische Systemtrennung, Materialechtheit und gebrauchstauglicher Ausbau sind Merkmale.