Zurück

Fafleralp, Wallis

Baujahr: 1913
Denkmalpflege: Bauinventar Fafleralp
Ausführung: 2011
Kosten: 313’000 m2
Architektur / Bauleitung: Lorenz Frauchiger

 

Alphütte auf der Fafleralp

 

Die Alphütte ist Teil der Alpschaft Fafleralp bestehend aus ca. 60 Bauten zuhinterst im Lötschental. Die Alp liegt auf ca. 1800 m.ü.M. und wird über eine schmale, im Winter geschlossene Strasse erschlossen. Die Besitzverhältnisse auf der Alp zeichnen sich durch eine klare Unterscheidung von Gebäuden und Boden aus. So sind die Hütten im Privatbesitz, jedoch der Boden im Allgemeineigentum der Alpschaft. Dieser Umstand führt zu durchlaufenden Grünräumen ohne Einfriedungen und Trampelpfaden zu den einzelnen Hütten als prägende Elemente der Aussenraumgestaltung. Ein klares Ordnungsprinzip der Bebauung lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Die Hütten reagieren auf die vorhandene Topografie und richten sich gegen Süden und ins Tal. Die so entstandene Haufensiedlung ist sehr typisch für die ganze Tallandschaft.

 

Vorhandene Qualitäten nutzen

Die seit Jahren vernachlässigte Hütte zeigte bei genauer Untersuchung zwei Gesichter. Der Hauptraum, die Stube, und die Stallungen befanden sich in einem konstruktiv guten Zustand, hingegen das Dach und die hangseitigen Räume waren dem Einsturz nahe.

In der Projektphase zeigte sich schnell, dass die baufälligen Teile von Grund auf ersetzt und neu aufgebaut werden mussten, hingegen die Stube als Zentralraum in ihrer Ausstrahlung erhalten werden sollte. So entwickelte sich das Konzept einer zeitgemässen und thermisch korrekt ausgeführten Hülle um das Herzstück, die Stube herum. Das klare Bekenntnis und der Wille zum integralen Erhalt dieses Raumteils führte zu einer klar verständlichen Raumkonzetion und zu einem spannenden Zusammenspiel von Alt und Neu. Unterstützt wird dieses Spiel zusätzlich durch den Einsatz und die Wahl von naturbelassenen Materialien und dem Einbau eines einheitlichen Möbelsystems aus Lärchenholz.

 

Baubeschrieb

Mit einem Einbruch in die Hütte durch die hintere marode Ladenwand begann für mich die Auseinandersetzung mit einer Baustelle auf 1800 m.ü.M. im Sommer 2010. Ein paar kaputte Skier, ein verrosteter Kochherd und überall Zeitungen als Windschutz vor den Ritzen. Die Türe zur Stube liess sich aufgrund der Schieflage der Hütte nur zur Hälfte öffnen und der Stall glich eher einem Kriechkeller – nichts für Erwachsene. Aber dennoch war da eine räumliche Qualität vorhanden, die sich geradezu perfekt in die neue Nutzung als Ferienhaus verwandeln lies. Auf den Plänen begann sich ein kompaktes Raumkonzept zu bilden, das ebenso den Nutzungsvorstellungen wie auch dem Haus gerecht werden konnte. In einem Modell von Christof im Massstab 1-50 lies sich die Planung auch räumlich gut darstellen und überprüfen, so dass wir nach dem letzten Schnee mit den Bauarbeiten im Frühjahr 2011 beginnen konnten. Es zeigte sich eindrücklich, was es heisst, den Stall und den Badezimmerboden in Handarbeit um 50cm abzusenken, was auf dem Plan ein Strich ist, türmte sich in beträchtlichen Aushubbergen neben der Hütte. Was im Plan eine schraffierte Wand von 20cm Dicke ist, bedingte zig Helikopterflüge bei böigen Winden. Nach schwerer Handarbeit und einigen Wochen begann sich endlich das lang erwartete Raumgefüge zu bilden. Plötzlich war der Kriechkeller ein begehbarer Raum, Küche und Badezimmer begannen Form anzunehmen. Mit den Fenstern und der Dachdämmung entstanden nun die konkreten Raumfolgen und ein Innenklima, das langsam wieder einer Schutzhütte gleich kam. Nach einem Unwetter mit Strassenunterbrüchen im ganzen Tal begann dann plötzlich ein Zittern um die Fertigstellung vor dem ersten Schnee. Doch schlussendlich profitierten wir von einem wunderbaren Herbst und konnten die Arbeiten soweit vollenden, dass eine erste „verbotene“ Winternutzung doch noch möglich wurde und wir am 21.12.2011 nach einer unvergesslichen Schneeschuhwanderung zum guten Gelingen in der Hütte anstossen konten.