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WB VOLO

Öffentlicher Wettbewerb: 2013
Veranstaltende: Gemeindeverband Altersheim Schüpfen
Hauptnutzfläche HNF: 4’560 m2
Architektur / Bauleitung: Lorenz Frauchiger
Stefan Gysel
Simon Gysel
Felix Dechert
Platzierung: 4. Rang

 

Quartier

Das Lorrainequartier hat nicht den besten Ruf. Das hat den Citydruck gemildert und die alte Bausubstanz verlottern lassen. Dadurch ist ein Freiraum entstanden, in dem seit etwa 20 Jahren immer mehr interessante Projekte, Experimente, Men- schen und Gruppen Wurzeln fassen konnten. Unser Vorschlag will diesen Freiraum erhalten, stützen und wenn möglich etwas erweitern.

 

1. Etappe Neubauten

Die Etappierung ist ein Mittel zu diesem Zweck. Als erstes werden auf den weitgehend freien Flächen im Süden des Areals Neubauten realisiert. Ihre Struktur soll eine gemischte variable und preisgünstige Nutzung erlauben, als Atelier, als Wohnung und allem, was dazwischen liegt. Die bestehenden Bauten, vor allem der Kunstkanal, bleiben unverändert, abgesehen von der Öffnung der Metallhalle zur Lorrainestrasse hin.

Die Neubauten stehen dem Glasschulhaus in einem engen Alignement gegenüber. Das führt zum Vorschlag, den Wohnungen einen schmalen Balkon als Filter vorzu- lagern. Der hauptsächliche Aussenraum der Wohnungen – privat oder allgemein – ist das Dach. Als gemeinschaftlicher Bereich ist auch die hofseitige Horizontal- erschliessung im 2. OG angelegt.

Zwischen Jurastrasse und Randweg sind die Bauvolumen reduziert, zugunsten grosszügiger Aussenbereiche. Dies gewährt auch dem erhaltenswerten Haus Nr. 5 ausreichend Raum. Die relativ grossen Gärten können einen Ausgleich bilden für die Randlage und die schwierige Nachbarschaft.

 

Rohbaumiete

Ein Teil der Neubauten soll als Rohbau ver- mietet werden. Dadurch können die MieteInnen weitgehend selbst bestimmen, wie einfach, wie teuer oder wie gross- räumig ihre Flächen sein sollen. Für gemeinschaftliches Wohnen können grössere Flächen zusammengefasst werden.

 

Anschlussetappen

Durch die Neubauten ergeben sich Verlegungsmöglichkeiten für bestehende Nutzungen und der Weg wird frei für An- schlussetappen. Vorerst wird das Haus Nr. 5 von einer Bewohnergenossenschaft mit knappem Aufwand renoviert. Mit der Verlegung der Spielgruppe verwandelt sich das Haus Nr. 5 zurück in ein reines Wohn- gebäude mit eigenem Garten.

Die weiteren Ausbauschritte folgen wahrscheinlich erst mittelfristig. Die Über- bauungsordnung lässt eine Sanierung der Parterrebauten des Kunstkanals nicht zu. Deshalb werden sie mittelfristig abgebrochen – es entsteht ein begrünter Wohn- und Spielhof. Eine Erhaltung des Doppelhauses Jurastrasse 4 widerspricht der Überbauungsordnung nicht. Die Häuser Jurastrasse 4 und 5 bilden zusammen ein starkes Ensemble, was den Innenbereich der Überbauung prägt. Die Spielgruppe zügelt ins renovierte Haus Nr. 4 und erhält einen eigenen Aussenbereich im Hof. Kombiniert mit der Spielgruppe sind Gemeinschaftsräume für die ganze Bebauung vorgesehen. Als letzter Baustein fügt sich in etwa 10 Jahren der Neubau Nr. 15 in die Lorrainezeile ein. Seine leicht zurückversetzte Stellung und der Hofzugang werden an den dann abgebrochenen Kunstkanal erinnern.

 

Aussenraum

Zwischen Strasse und Gebäuden schaffen halbprivate Bereiche einen Übergang. Ein zentraler gemeinsamer Aussenraum verbindet die Bebauung links und rechts der Jurastrasse. Angrenzend verengen die belassenen Einfriedungen den Verkehrs- raum zur Wohnstrasse. Damit die zwei grossen Linden in diesem Bereich nicht gefällt werden müssen, ist die Einstellhalle quer unter der Jurastrasse angeordnet.

 

NutzerInnen

Die Etappierung bringt Kontinuität. Die heutigen NutzerInnen bleiben und neu dazu kommen jene, denen dies gefällt. Vielfalt, Freiraum, Wohnungen ausserhalb der Norm und offene Kultur sollen eine besondere Qualität bleiben und noch mehr werden. Was wird aus dem schlechten Ruf?